Mittwoch, 25. April 2018

Die andere Schwester - Kristin Hannah

Nicht schlecht erzählt, doch zu viele Nebensächlichkeiten und etwas kitschig


Umfangreiche Darstellungen, etwas schleppend, leicht kitschig und zu vorhersehbar.


"Die andere Schwester" von Kristin Hannah erschien bereits 2006 unter anderem Titel. Das Taschenbuch erscheint 2018 im Aufbau Verlag.  

Als Kinder waren die Schwestern Meghann und Claire fast unzertrennlich, doch dann haben sie sich Jahre lang nicht gesehen. Sie haben völlig verschiedene Vorstellungen vom Leben. Während Meghann eine sehr erfolgreiche Scheidungsanwältin ist, betreibt Claire mit ihrem Vater einen Campingplatz. Die Nachricht von Claires Hochzeit lässt Meghann anreisen, sie möchte eine überstürzte Heirat verhindern, denn Meg glaubt nicht an die Liebe. Doch dann stellt sie fest, dass Claire mit ihrer Entscheidung Glück haben könnte. 




Seit Meghann Dontess vor 27 Jahren eine bestimmte Erfahrung gemacht hat, führt sie das auch jetzt noch zu regelmäßigen Sitzungen bei einer Psychologin. Dabei ist Meghann, Anfang vierzig, eine Frau, die mitten im Leben steht und eine erfolgreiche Scheidungsanwältin noch dazu. Nur was nützt ihr der Erfolg, wenn sie privat nicht glücklich ist. In ihren wechselnden Affären mit jungen Männern versucht sie, ihre Probleme zu vergessen. Zu ihrer jüngeren Schwester Claire Cavenaugh hat sie nur noch telefonischen Kontakt. Aber die Nachricht von Claires Heiratsabsicht, lässt Meg sie besuchen. 


Claire ist Mitte Dreißig, allein erziehend und glaubt endlich den Mann ihres Lebens gefunden zu haben. Sie möchte ihn sogar heiraten, dabei kennt sie den erfolglosen Country-Sänger erst kurze Zeit. Meg hat nicht nur berufliche Bedenken, an die echte Liebe glaubt sie schon lange nicht mehr. 


In  diesem Roman werden viele Handlungsstränge eingebaut, die miteinander verknüpft werden. Dabei driftet die Handlung häufig in nebensächliche Szenen ab, die nur zum Teil für das allgemeine Verständnis der Figuren nötig sind. Die Story wird im Laufe des Buches immer schwächer. Es gibt viele emotionale Szenen, die sehr ausführlich beschrieben werden. Da ich von Kristin Hannah den Roman "Die Nachtigall" gelesen habe, weiß ich um ihren umfangreichen Erzählton. 
Bei diesem Roman hätte ich das aber nicht so gebraucht. 

Die Schwestern haben sich über die Jahre hinweg entfremdet, langsam nähern sie sich wieder an, doch ihre zu unterschiedlichen Lebensauffassungen machen es ihnen schwer. 
Der Blick in die Vergangenheit offenbahrt dann auch die wahren Gründe, die dazu geführt haben. 

Claire ist mit ihrem bescheidenen Leben völlig zufrieden, ihre Tochter Ali ist ihr Lebensinhalt, sie hat Freundinnen und ihren Vater Sam. Als sie Bobby kennenlernt, weiß sie einfach, dass er der richtige Mann in ihrem Leben ist.  

Meg lernt ebenfalls jemanden kennen, lässt jedoch die Nähe nicht zu. Zu groß sind ihre Verletzungen aus der Vergangenheit. Als Claire erkrankt, versucht sie ihr zu helfen und ist damit völlig überfordert. Denn so selbstsicher sie auch sonst wirkt, hier geht es um ihre tiefen Gefühle zu einer nahestehenden Person. 

Mir hat die Charakterdarstellung gut gefallen, denn die Figuren wirken sehr authentisch und menschlich lebendig. Mit dem Auftreten der Mutter der Schwestern setzt die Autorin gezielt auf eine unsympathische Anti-Figur, die der Geschichte die nötige Tiefe durch Einblicke in das Leben der Schwestern verleiht. Jetzt versteht man auch Meghanns Entscheidung als junge Frau besser.

Kristin Hanah bringt viele emotionale Themen in ihr Buch ein. Es geht um Freundschaft, Liebe und Trauer, aber auch um Freundschaft und die Bewältigung der Vergangenheit. Ein gefühlvoller Schreibstil lässt den Leser unheimlich nahe daran teilhaben und man wird von den Gefühlen mitgerissen. Doch auch hier muss ich die überlangen Szenen erwähnen, die doch für Spannungsverlust gesorgt haben. Im Großen und Ganzen sind die Dialoge eher ohne Tiefgang und die Geschichte hätte man gut straffen können.


Insgesamt war der Roman doch etwas schleppend, leicht kitschig und zu vorhersehbar. Wer jedoch gerne solche emotionalen Bücher liest, sollte hier gern zugreifen. 





[Werbung] Ich möchte darauf hinweisen, dass ich für diesen Beitrag nicht bezahlt wurde und ihn aus freien Stücken veröffentliche.

Kommentare:

  1. Liebe Barbara,
    ich mag den Schreibstil von Kristin Hannah sehr, aber ihre Bücher sind doch manchmal sehr unterschiedlich. Manche haben sehr viel Tiefe, manche sind mir zu ausschweifend oder wie bei "Die andere Schwester" zu vorhersehbar. Ich bin schon gespannt auf ihre zwei neuen Bücher im Herbst, wobei wiede rnur eines wirklich neu ist und eines, wie diese hier, neu aufgelegt wird.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina,

      ich glaube, im Moment schwimmt die Autorin auf einer Erfolgswelle und die soll ausgenutzt werden. Wenn mir die Thematik der neuen Bücher gefällt, bin ich wieder mit dabei! :-)
      Liebe Grüße Barbara

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  2. Hallo liebe Barbara ;-)

    Obwohl ich mir dieses Buch schon vor dem Erscheinen vermerkt habe, hat es mich doch nie so richtig für sich gewinnen können, sodass ich mich in Zurückhaltung geübt habe. Dabei mag ich doch die meisten Bücher der Autorin sehr. Aber eben nicht jedes und das Verfolgen der Meinungen dazu hat mein Bauchgefühl bestätigt.
    Danke für deinen ehrlichen Einblick.

    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Liebe Hibi,

      ich denke mal, durch meine hohen Erwartungen dank der Nachtigall, ist auch meine Meinung eher schlechter ausgefallen. Es gibt einige Autorinnen, bei denen ich entweder total begeistert oder enttäuscht bin. Jojo Moyes ist da so ein Fall. :-)

      Liebe Grüße Barbara

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  3. Hey Barbara,

    Das ist thematisch ja doch sehr anders als „Die Nachtigall“, die mir sehr gut gefallen hat. Schön, dass dir das Buch dennoch ganz gut gefallen hat, auch wenn es einige Sachen gab, die nicht so gut waren. Für mich persönlich wäre das mit dem kitschigen so überhaupt nichts, aber deine kurze Inhaltsangabe hält mich auch schon davon ab, das Buch lesen zu wollen. Deine Meinung zum Buch hat mich aber dennoch sehr interessiert.

    LG, Moni

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    1. Hallo Moni,

      bei der Nachtigall hat mich der Bezug der Figuren zur Geschichte sehr berührt. Hier war es leider eher etwas ausschweifend und vorhersehbar.

      Liebe Grüße Barbara

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