Donnerstag, 4. Oktober 2018

Wie ich fälschte, log und Gutes tat - Thomas Klupp

Temporeich, pointiert und herrlich verrückter Roman über die Jugend


"Wie ich fälschte, log und Gutes tat" heißt der Roman von Thomas Klupp, der im Berlin Verlag erscheint.

Weiden in der Oberpfalz: Benedikt Jäger und seine Kumpels Vince und Prechtl sind beste Freunde, voll pubertär und probieren sich gerade überall aus. Tennis, Sex, Alkohol und Drogen sind angesagt, die Schule eher nicht. Deswegen sind einige Unterschriften zu fälschen und Abschreiben ist das neue Lernen. Die Freunde siegen beim Tennis-Landesfinale und landen auf einem Antidrogenplakat. Dabei sind gerade die Drei keine unschuldigen Knaben. Benedikt ist sozusagen der König der Betrüger und wie er aus diesem Teufelskreis herauskommt ist ungewiss.
  



Dieses Buch liest sich klasse, es ist rasant und voller Situationskomik, dabei total verrückt und etwas überspitzt. Doch einmal von Anfang an, in diesem Roman führt Benjamin den Leser durch sein Leben. Wir begleiten den 16jährigen Schüler ein Schulhalbjahr lang, sehen wie er abschreibt, Noten und Unterschriften fälscht und welche Statussymbole sein Leben bestimmen. Er kommt aus gutem Hause, der Vater ist Chirurg, die Mutter depressive Societylady, so gelangt er schon früh in eine Welt, die ihm mehr abverlangt, als er zu leisten willig ist. Doch er möchte es seinen Eltern recht machen, zum elitären Kreis dazugehören und einen guten Abschluss erlangen und fälscht was das Zeug hält.

Man fühlt mit Benjamin und erkennt den Leistungsdruck in Schule und Sport, der ihm zu schaffen macht. Lügen gehört damit schon fast zum guten Ton und so findet man sich in einer Geschichte wieder, die mich rasant, spannend und auch komisch unterhalten hat. Manchmal blieb mir das Lachen wegen der derben Ausdrücke dann zeitweise im Halse stecken, doch die Jugendsprache wird hier konsequent durchgezogen, das muss man aushalten können.

Der lockere Erzählton und das irrwitzige Lügengebilde sind super, die Geschichte ist etwas wirr, aber man kommt der Figur schon allein durch die Gedanken sehr nahe. Man fragt sich, wie man selbst seine Jugend ohne solche Aktionen überstanden hat. Ist es die heutige Gesellschaft, die die Jugend mehr fordert? Ich denke nicht, es sind nur andere Einflüsse, andere Werte und mehr Egoismus, die die Menschen heute umtreibt. 

Besonders gefallen mir die authentisch klingenden Dialoge, die Schulszenen, die Fälscherei und wie sich das Lügengebilde immer problemhafter in Bennis Leben auswirkt. Er muss immer mehr Ausreden für sein Leben erfinden, es ist wie ein Teufelkreis und bekommt es von seiner Mutter und auch von der Rektorin vorgelebt. Benni kann nicht einmal die eigene Darstellung auf dem Antidrogen - Plakat auf sich sitzen lassen, förmlich als Gegenaussage zur Kampagne konsumiert er Joints und Alkohol. 

Mit dieser Geschichte hat Thomas Klupp unserer Gesellschaft schonungslos die Wahrheit aufgezeigt.
Es ist leider so, Lügen regieren die Welt! Die Anforderungen an Ausbildung und Lebenshaltung werden immer höher geschraubt, die Betrügerei mit öffentlichen Leistungen wächst und der Einfluss von Internet und sozialen Medien können Menschen in Schwierigkeiten bringen. 

Der Erzählstil ist locker, zeitgemäß und teilweise voller Kraftausdrücke. An manchen Stellen ist es mir auf zu jugendlich gemacht und einige Gedanken sind zu ausgewalzt dargestellt. 

Das Leben der Jugendlichen wird hier ziemlich überspitzt dargestellt, den Kern trifft der Autor auf alle Fälle. Mit Benni konnte ich viele Emotionen miterleben, dieses Buch hat mich erheitert und ich habe Benni auch bedauert. Sein selbst gesponnenes Lügengebilde ist immer wieder auch ein Hindernis, dem es zu entkommen gilt. Die wahren Probleme der Charaktere bleiben hinter der offensichtlichen Oberfläche verborgen.


Thomas Klupp hat mir mit seinem Buch auch einen Blick zurück in die eigene Jugendzeit geschenkt und mich gut unterhalten. Dieses Buch ist eine pointierte Satire auf den Schulalltag und die Jugend in einer Leistungsgesellschaft. Wie Ausgrenzung, Ruhm und Anerkennung das heutige Leben bestimmen, zeigt der Roman auf seine eigene verrückte Weise.
  


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